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Brexit: Ursachen, Verlauf, Folgen und aktueller Stand

Oliver George Cooper Carter • 2026-08-31 • Gepruft von Daniel Becker

Es gibt Momente, die ein Land für immer verändern – und der 23. Juni 2016 war einer davon. An diesem Tag entschieden die Briten mit 52 Prozent der Stimmen, die Europäische Union zu verlassen, und setzten damit eine der folgenreichsten politischen Entwicklungen der Nachkriegsgeschichte in Gang. Seitdem ist der Brexit aus den Schlagzeilen nicht verschwunden – und die Frage, ob sich der Schritt gelohnt hat, beschäftigt Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bis heute.

Abstimmungsergebnis: 52 % für Austritt, 48 % dagegen ·
Austrittsdatum: 31. Januar 2020 ·
Übergangsphase: bis 31. Dezember 2020 ·
Handelsabkommen: am 24. Dezember 2020 geschlossen ·
Geschätzte BIP-Einbuße: 2–4 % gegenüber ohne Brexit ·
Umfrage zur Zufriedenheit (2024): 54 % halten Brexit für falsch (YouGov)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Exakte langfristige BIP-Differenz
  • Ob das UK jemals wieder beitritt
  • Wie sich Drittstaatenabkommen entwickeln
3Zeitleisten-Signal
  • 2016 Referendum → 2020 Austritt
  • 2024: Labour-Regierung unter Starmer
  • „Reset“ der EU-Beziehungen angekündigt
4Wie es weitergeht
  • Kein Wiedereintritt absehbar
  • EU ohne UK: schwierigerer Zusammenhalt

Die zentralen Daten auf einen Blick:

Merkmal Wert Quelle
Referendumstag 23. Juni 2016 UK Parlamentsbibliothek
Ergebnis 52 % für Austritt UK Parlamentsbibliothek
Austrittsdatum 31. Januar 2020 UK Parlamentsbibliothek
Übergangsphase endet 31. Dezember 2020 UK Parlamentsbibliothek
Handelsabkommen 24. Dezember 2020 Rat der EU
Regierungspartei (2024) Labour unter Keir Starmer BBC

Was ist der Brexit und warum ist er passiert?

Definition des Begriffs Brexit

  • Brexit ist ein Kofferwort aus „Britain“ und „Exit“ und bezeichnet den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union.
  • Die Entscheidung fiel in einem landesweiten Referendum am 23. Juni 2016, bei dem 52 Prozent der Wähler für den Austritt stimmten (UK Parlamentsbibliothek).
  • Der Begriff wurde erstmals 2012 populär und steht seither für eine der tiefgreifendsten politischen Zäsuren Großbritanniens.

Gründe für den Austritt

  • Souveränität: Viele Briten wollten Entscheidungen wieder allein in London treffen, nicht in Brüssel. Der Slogan „Take back control“ prägte die Leave-Kampagne.
  • Einwanderung: Die Freizügigkeit innerhalb der EU führte zu hoher Zuwanderung aus Osteuropa – ein zentrales Motiv für Brexit-Wähler (Brookings Institution).
  • Wirtschaft: Befürworter versprachen mehr Handelsfreiheit mit Drittstaaten und weniger EU-Regulierung. Der UK Treasury Committee nannte als potenzielle Vorteile Verbesserungen beim Regulierungsrahmen und neue Handelsabkommen.
Fazit: Brexit entstand aus einem Bündel aus Souveränitätswunsch, Einwanderungsängsten und wirtschaftlichen Versprechen. Für Leave-Wähler stand die nationale Selbstbestimmung im Vordergrund, für Remain-Wähler die wirtschaftliche Integration.

Die Implikation: Die Ursachen des Brexit sind bis heute nicht verschwunden – die Spaltung zwischen Stadt und Land, zwischen Jung und Alt, zwischen Globalisten und Nationalisten prägt die britische Politik weiterhin.

Wann begann und endete der Brexit?

Referendum am 23. Juni 2016

  • Am 23. Juni 2016 stimmten 51,9 Prozent der britischen Wähler für den Austritt aus der EU (UK Parlamentsbibliothek).
  • Die Wahlbeteiligung lag bei 72,2 Prozent – die höchste bei einer britischen Wahl seit 1992.
Die Paradoxie

Schottland und Nordirland stimmten mehrheitlich für den Verbleib in der EU – eine Spaltung, die bis heute nachwirkt (Brookings Institution).

Auslösung von Artikel 50 am 29. März 2017

  • Die britische Regierung löste am 29. März 2017 Artikel 50 des EU-Vertrags aus und startete damit die zweijährige Austrittsfrist (UK Parlamentsbibliothek).
  • Es folgten zähe Verhandlungen, die mehrfach zu verlängern waren.

Austritt am 31. Januar 2020

  • Das Vereinigte Königreich verließ die EU am 31. Januar 2020 um 23:00 Uhr GMT (UK Parlamentsbibliothek).
  • Das Austrittsabkommen war am 23. Januar 2020 in britisches Recht überführt worden (UK Parlamentsbibliothek).

Übergangsphase bis 31. Dezember 2020

  • Bis zum 31. Dezember 2020 blieb das UK im Binnenmarkt und in der Zollunion (UK Parlamentsbibliothek).
  • Am 24. Dezember 2020 wurde das Handels- und Kooperationsabkommen unterzeichnet (Rat der EU).
Fazit: Vom Referendum bis zum Vollzug vergingen dreieinhalb Jahre – die Verhandlungen dauerten länger als die EU-Mitgliedschaft mancher Staaten.

Was das bedeutet: Der Brexit war kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess, der Großbritannien über Jahre in politischer Schwebe hielt und bis heute nachwirkt.

War der Brexit gut oder schlecht für das Vereinigte Königreich?

Vorteile des Brexit

  • Das UK kann eigene Handelsabkommen mit Drittstaaten schließen, etwa mit Australien, Neuseeland und Indien.
  • Die Regierung kann Regulierungen ohne EU-Vorgaben gestalten – der UK Treasury Committee nannte dies als potenziellen Vorteil.
  • Die EU-Beiträge entfallen – Nettozahlungen von rund 10 Milliarden Pfund pro Jahr bleiben im Land.

Nachteile

  • Das BIP liegt Schätzungen zufolge 2–4 Prozent niedriger als ohne Brexit (UK Treasury Committee).
  • Neue Zollkontrollen und Bürokratie belasten den Handel mit der EU, dem größten Exportmarkt des UK.
  • Die Lebenshaltungskosten sind gestiegen – das Pfund verlor nach dem Referendum dauerhaft an Wert, was Importe verteuerte.

Fünf Kennzahlen, die den wirtschaftlichen Wandel vor und nach dem Brexit zeigen:

Merkmal Vor dem Brexit (2015) Nach dem Brexit (2023) Veränderung
BIP-Wachstum (im Vgl. zu EU) etwa gleichauf ca. 2–4 % niedriger negativ
Pfund Sterling (EUR/GBP) 1,40 EUR 1,15 EUR −18 %
Handelsvolumen mit EU (Waren) 53 % der Exporte 47 % der Exporte Rückgang
Nettozuwanderung aus der EU +184.000 p.a. −16.000 p.a. starker Rückgang
Lebensmittelpreise (Index) 100 (Basis) ca. 125 +25 %

Der Trade-off: Weniger Einwanderung und mehr Souveränität stehen gegen niedrigeres Wachstum und höhere Preise – ein klassischer Zielkonflikt, dessen Gewichtung jeder Wähler anders vornimmt.

Upsides

  • Eigene Handelsabkommen mit Australien, Neuseeland, Indien in Verhandlung
  • Keine EU-Beiträge mehr (ca. 10 Mrd. £ pro Jahr)
  • Regulierungssouveränität (z. B. Finanzmarktregeln, Landwirtschaft)
  • Kontrollierte Einwanderungspolitik (Punktesystem)

Downsides

  • BIP-Verlust von 2–4 % laut Schätzungen
  • Handelsbarrieren mit der EU (Zollkontrollen, Bürokratie)
  • Pfund-Schwäche verteuert Importe
  • Fachkräftemangel in Gesundheitswesen, Tourismus und Landwirtschaft

Die Bewertung: Für die Wirtschaft überwiegen die Nachteile. Für Befürworter der Souveränität überwiegen die Vorteile. Die Umfragen von 2024 zeigen: 54 Prozent der Briten halten den Brexit für falsch.

Ist das Vereinigte Königreich seit dem Brexit ärmer?

Auswirkungen auf das BIP

  • Der UK Treasury Committee sah schon 2016 einen wahrscheinlichen kurzfristigen wirtschaftlichen Schaden durch den Brexit.
  • Der IWF schätzt den BIP-Verlust auf etwa 2,5 Prozent im Vergleich zu einem Verbleib in der EU.
  • Die OECD beziffert den Verlust auf rund 5 Prozent über zehn Jahre.

Handelsbarrieren und -verluste

  • Seit dem 1. Januar 2021 gelten Zollkontrollen und aufwändige Ursprungsnachweise für den Handel mit der EU.
  • Das Handelsvolumen mit der EU ist gesunken – vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen.
  • Die Queen‘s University Belfast zeigt, dass Schottland und Nordirland besonders betroffen sind, da ihre Exporte stark in die EU gehen.

Wert des Pfunds

  • Das Pfund Sterling verlor nach dem Referendum dauerhaft an Wert – von rund 1,40 EUR auf zeitweise unter 1,10 EUR.
  • Diese Schwäche verteuert Importe und treibt die Inflation (UK Treasury Committee).
  • Für Exporteure ist ein schwaches Pfund zwar vorteilhaft, die höheren Importkosten überwiegen jedoch.

Lebenshaltungskosten

  • Lebensmittelpreise stiegen nach dem Brexit überdurchschnittlich – Zölle und Zollkontrollen treiben die Kosten.
  • Das Center for European Reform schätzt die Kosten pro Haushalt auf rund 1.000 Pfund pro Jahr.
Die Konsequenz

Für Haushalte mit niedrigem Einkommen sind die Brexit-bedingten Preissteigerungen besonders schmerzhaft – sie geben einen überproportionalen Anteil ihres Budgets für Lebensmittel und Energie aus.

Das Muster: Jede Kennzahl zeigt in eine Richtung: Das UK ist wirtschaftlich schlechter gestellt als es ohne Brexit wäre. Die Frage ist nur, wie viel schlechter – und ob die Souveränitätsgewinne diesen Preis wert sind.

Wird das Vereinigte Königreich wahrscheinlich wieder der EU beitreten?

Aktuelle öffentliche Meinung

  • Laut YouGov halten 54 Prozent der Briten den Brexit für einen Fehler (2024).
  • In Umfragen spricht sich eine knappe Mehrheit für einen Wiedereintritt aus – allerdings mit abnehmender Tendenz.
  • Junge Wähler (18–24) sind deutlich pro-EU eingestellt, ältere Wähler (65+) mehrheitlich gegen einen Beitritt.

Politische Hürden

  • Premierminister Keir Starmer hat einen Wiedereintritt ausgeschlossen – sein Ziel ist ein „Reset“ der Beziehungen, kein Beitritt.
  • Ein erneuter Beitritt müsste von der EU einstimmig genehmigt werden und wäre politisch extrem aufwändig.
  • Das UK müsste den Euro übernehmen, wenn es der EU wieder beitritt – ein Ausschlusskriterium für viele Briten.

Auswirkungen auf die EU ohne UK

  • Die EU verlor mit dem UK ihren zweitgrößten Nettozahler und eine militärisch starke Nation.
  • Der Zusammenhalt in der EU hat sich ohne das oft bremsende UK verändert – manche sehen die EU nun als kohärenter an.
  • Die EU hat Handelsabkommen mit anderen Partnern vertieft, etwa mit Japan, Kanada und dem Mercosur.
Fazit: Ein Wiedereintritt ist kurz- bis mittelfristig unwahrscheinlich. Die politischen Hürden sind hoch, und keine relevante Partei im UK setzt sich dafür ein. Für die EU bedeutet der Brexit einen Verlust an Wirtschaftskraft und geopolitischer Reichweite.

Der Ausblick: Das UK wird sich in den kommenden Jahren eher um eine Vertiefung der Beziehungen zur EU bemühen, ohne die Mitgliedschaft anzustreben. Für die EU ist der Brexit ein warnendes Beispiel dafür, wie verletzlich die Union gegenüber nationalen Austrittsbewegungen ist.

Zeitleiste der Brexit-Ereignisse

  1. 23. Juni 2016: Referendum – 52 % stimmen für Austritt (UK Parlamentsbibliothek)
  2. 29. März 2017: Artikel 50 wird ausgelöst (UK Parlamentsbibliothek)
  3. Dezember 2019: Unterhauswahl – Konservative gewinnen Mehrheit
  4. 31. Januar 2020: UK verlässt formell die EU (UK Parlamentsbibliothek)
  5. 1. Januar – 31. Dezember 2020: Übergangsphase
  6. 24. Dezember 2020: Handels- und Kooperationsabkommen unterzeichnet (Rat der EU)
  7. 1. Mai 2021: Neue Zollkontrollen treten in Kraft
  8. Februar 2023: Windsor-Rahmenabkommen (Nordirland-Protokoll)
  9. Juli 2024: Labour-Regierung unter Keir Starmer

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Bestätigte Fakten

  • Brexit fand am 31. Januar 2020 statt (UK Parlamentsbibliothek)
  • UK verließ EU-Binnenmarkt und Zollunion am 1. Januar 2021 (UK Parlamentsbibliothek)
  • Handels- und Kooperationsabkommen ist in Kraft
  • Das Pfund Sterling verlor nach dem Referendum dauerhaft an Wert (UK Treasury Committee)

Offene Fragen

  • Langfristige wirtschaftliche Auswirkungen (exakte BIP-Differenz)
  • Ob das UK jemals wieder der EU beitreten wird
  • Wie sich die Handelsbeziehungen zu Drittstaaten entwickeln

Fazit: Was der Brexit für Bürger und Wirtschaft bedeutet

Der Brexit hat das Vereinigte Königreich verändert – wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. Die versprochenen Vorteile eigener Handelsabkommen und mehr Souveränität stehen realen Kosten gegenüber: niedrigerem Wachstum, höheren Preisen und einer schwächeren Währung. Für britische Unternehmen bedeutet der Brexit höhere Bürokratie und geringere Exportchancen in den wichtigsten Markt. Für die Bürger sind die Folgen vor allem im Portemonnaie spürbar. Für die EU ist der Brexit ein Verlust, aber auch ein Ansporn, eigene Reformen voranzutreiben. Für britische Wähler ist die Entscheidung klar: entweder wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen oder die politische Souveränität opfern – beides gleichzeitig ist nicht möglich.

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Häufig gestellte Fragen zum Brexit

Wie wurde der Begriff Brexit geprägt?

Der Begriff Brexit ist ein Kofferwort aus „Britain“ und „Exit“. Er wurde erstmals 2012 von dem britischen Journalisten Peter Wilding in einem Blogbeitrag verwendet und verbreitete sich rasch in den Medien.

Welche Rolle spielte die Einwanderung beim Brexit?

Die Einwanderung war eines der wichtigsten Themen der Leave-Kampagne. Viele Wähler in Regionen mit hoher Zuwanderung aus Osteuropa sahen die EU-Freizügigkeit als Bedrohung für Löhne und öffentliche Dienstleistungen (Brookings Institution).

Hat der Brexit zu mehr oder weniger Regulierung geführt?

Das UK hat EU-Regeln in nationales Recht übernommen („Retained EU Law“) und kann sie nun ändern. In der Praxis hat sich zunächst wenig geändert, da die Regierung Stabilität priorisiert hat. Langfristig sind Abweichungen vor allem im Finanz- und Agrarrecht zu erwarten.

Wie wirkt sich der Brexit auf den Reiseverkehr aus?

Seit 2021 benötigen Briten für Reisen in die EU einen Reisepass mit mindestens drei Monaten Restgültigkeit und dürfen sich nur noch 90 von 180 Tagen visumfrei im Schengen-Raum aufhalten. Haustiere benötigen einen EU-Heimtierausweis.

Was ist das Windsor-Rahmenabkommen?

Das im Februar 2023 geschlossene Windsor-Rahmenabkommen zwischen dem UK und der EU regelt die Umsetzung des Nordirland-Protokolls. Es erleichtert den Warenverkehr zwischen Großbritannien und Nordirland und gibt der nordirischen Versammlung ein Mitspracherecht bei EU-Regeln.

Welche Branchen wurden am stärksten getroffen?

Besonders betroffen sind die Landwirtschaft (Fachkräftemangel, Zollkontrollen), die Fischerei (Exportprobleme), die Automobilindustrie (Lieferketten) und das Gesundheitswesen (fehlende Pflegekräfte aus der EU).

Wie haben sich die Beziehungen zu den USA verändert?

Die USA sind weiterhin ein wichtiger Partner für das UK. Ein umfassendes Freihandelsabkommen mit den USA, das Brexit-Befürworter versprochen hatten, ist jedoch nicht zustande gekommen. Unter Präsident Biden priorisierte die US-Regierung bilaterale Beziehungen zur EU.

Welche Auswirkungen hat der Brexit auf die EU-Institutionen?

Die EU verlor mit dem UK einen großen Nettozahler, eine militärisch bedeutende Nation und ein Gegengewicht zu französisch-deutschen Positionen. Gleichzeitig hat der Brexit die EU gestärkt, weil er die Mitgliedstaaten zur Geschlossenheit zwang.



Oliver George Cooper Carter

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